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Praxiskolloquium zur biologischen Bekämpfung
des "Kiefern-Wurzelschwammes"


Foto: Praktischer Einsatz des Harvester mit Applikationstechnologie im Revier Kleinleipisch


Am 09.11.2011 wurde im Forstmaschinenhof der Serviceeinheit Doberlug-Kirchhain ein "Praxiskolloquium zu Abwehrmaßnahmen des Wurzelschwammerregers in Kiefernbeständen auf Kippenstandorten" durchgeführt. Etwa 30 Vertreter von Waldwirtschaft, Wissenschaft und interessierte Dritte nahmen teil.

Das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) sowie das Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften aus Finsterwalde (FIB) informierten über neueste Ergebnisse der themenbezogenen Forschungsprojekte. Die direkte Überführung neuer Erkenntnisse in die Forstpraxis wurde hiermit in bewährter Weise weiterentwickelt.



Das Kolloquium begann im Konferenzraum der Serviceeinheit Doberlug-Kirchhain des Landesbetriebes Forst Brandenburg mit einer Vortragsreihe. Nach der Begrüßung durch Herrn Rakel als Leiter des Maschinenhofes im Landesforstbetrieb Brandenburg (LFB) informierte Herr Ertle (FIB) in seinem ersten Vortrag über aktuelle Ergebnisse zu dem Forschungsprojekt Wurzelschwamm-Monitoring. Er wies darauf hin, dass nach wie vor ein rascher Schadensfortschritt vor allem in den größeren Absterbelücken zu beobachten ist. Hitze- und Trockenperioden begünstigen die Ausbreitung. Nur durch waldbauliche Maßnahmen wie Baumartenwahl, Pflanzverband, Durchforstungsstrategie und Stubbenbehandlung lässt sich das Wurzelschwamm-Schadensrisiko aktiv steuern.

Foto: Herr Rakel (LFB) veranschaulicht die Applikationstechnik
Foto: Herr Dr. Heydeck (LFE) erläutert einen Anwuchsvergleich des Riesenrindenpilzes aus Sporen

Herr Dr. Heydeck erklärte das Qualitätssicherungssystem bei der Produktion der Pilzsuspension zur Gewährleistung der Funktionsfähigkeit des Pilzpräparates. Regelmäßige Stichproben direkt am Harvester vor Ort als auch Tests während der labortechnischen Produktion zur Überprüfung der Pilzaktivität sind notwendig. Bisher konnten seit 2008 nunmehr 1.200 Liter Myzelsuspension des Riesenrindenpilzes produziert und der Forstpraxis übergeben werden: bislang erfolgte so eine Behandlung von ca. 300 ha Wurzelschwammgefärdeter Erstaufforstungsbestände des Lausitzer Braunkohlenbergbaus.

Herr Rakel veranschaulichte neueste Technikentwicklungen wie das Applikationsmesser für ein Fäller-Sammler-Aggregat am Hacker. Er hob die besondere Einsatzbereitschaft des Fachpersonals hervor und verwies in diesem Zusammenhang auf die notwendige ständige Weiterentwicklung der Applikationstechnik sowie Schulung der Mitarbeiter.


Foto: Herr Ertle (FIB) präsentiert aktuelle Verbrauchszahlen

In seinem zweiten Beitrag zur Optimierung des Applikationssystems präsentierte Herr Ertle aktuelle Kennzahlen zum Einsatz des Harvesters wie Verbrauch an Pilzsuspension sowie Kosten bei einer Vergleichsrechnung mit dem im Handel erhältlichen Rotex-Präparat. Mit derzeit 8 % Mehrkosten und einem Verbrauch von etwa einer "Kaffeetasse" (150 ml) Pilzmittel je Stamm verdeutlichte er erheblichen Optimierungsbedarf. Begleitend wurde hierzu eine Abschlussarbeit (Frau Klausnitzer) an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE) in Zusammenarbeit mit dem FIB begonnen.

Abschießend präsentierten Herr Dr. Heydeck (LFE) gemeinsam mit Herrn Merkel und Herrn Grosser Störfaktoren bei der maschinellen Applikation sowie weitere Aktivitäten im Rahmen der Wurzelschwamm-Forschung im Nordostdeutschen Tiefland. Labortests bestätigen die Notwendigkeit des Einhaltens bestimmter Temperaturobergrenzen während der praktischen Applikation. Hier ergeben sich neue Aufgaben für die Technikentwicklung. Außerdem verwies er auf die ökonomische Gesamtbewertung der Wurzelschwammproblematik in der Kiefernwirtschaft, die von Herrn Lege im Rahmen seiner Masterarbeit am Institut für Forstökonomie und Forsteinrichtung der TU Dresden (TUD) in Kooperation mit FIB und LFE bearbeitet wird. Im Anschluss an die Präsentationen im Saal wurde eine Exkursion im Revier Kleinleipisch mit Besichtigung des Harvesterbetriebes sowie der Applikationseinrichtung durchgeführt.


  
Foto: Praktischer Einsatz der Applikationstechnologie am Harvester

Zum Ende der Veranstaltung wurde resümiert, dass sich die Bearbeitung der komplexen Fragestellung in einem Verbund wissenschaftlicher Partner (LFE, FIB, HNEE, TUD) und der Forstpraxis bewährt hat. Nicht zuletzt durch verschiedene Publikationen in Fachzeitschriften und 2 Forstschutzmerkblätter ließ sich ein breites Publikum für die "Wurzelschwammproblematik" sensibilisieren.

Damit leistet Brandenburg einen bundesweit viel beachteten Beitrag zur Stabilisierung risikobehafteter Kiefernbestände bzw. zur biologischen und damit ökosystemverträglichen Bekämpfung von Schaderregern. Durch die finanzielle Unterstützung des Landes Brandenburg (MIL) ist eine langfristige Fortführung solcher viel versprechender Forschungs- und Entwicklungsvorhaben möglich.


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