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Renaturierung schwefelsaurer Tagebauseeböschungen

Bild von Tagebauseeböschungen
Projektleiter:
Herr Dr.-Ing. Christian Hildmann
Bearbeiter:
Herr Dr.-Ing. Christian Hildmann,
Frau Manja Walko
Laufzeit:
01.01.2011 bis 31.12.2014
Projektträger:
Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft

Im Süden Brandenburgs vollzieht sich ein umfassender sozioökonomischer und landschaftlicher Wandel. Aus ehemaligen Braunkohlentagebauen entsteht eine weiträumige Wasserlandschaft. So sind im gesamten Lausitzer Revier bereits etwa 162 km² neue Wasserflächen entstanden. Die Seenlandschaft weist ein erhebliches Potential u. a. für den naturbetonten Tourismus auf. Das Land Brandenburg investiert deshalb in verschiedene Infrastrukturvorhaben wie z. B. dem Bau schiffbarer Verbindungen zwischen den Tagebauseen. Diese Maßnahmen gehen über die Verpflichtungen der LMBV als Sanierungsträger hinaus und dienen der Entwicklung einer attraktiven Bergbaufolgelandschaft (VA 2007, §4-Maßnahmen: Erhöhung des Folgenutzungsstandards).

Eine ernste Herausforderung für die Entwicklung des Lausitzer Seenlandes stellt die weitreichende geochemische Versauerung dar, bedingt durch die bergbauliche Belüftung und nachfolgende Verwitterung von Pyrit. Um die Tagebauseen dennoch nutzen zu können und diese schadlos an die bestehenden Fließgewässer anzubinden, werden bereits verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität erprobt bzw. durchgeführt.

In dem vorangeschrittenen Stadium der Flutung wird deutlich, dass die zukünftigen Ufer stark technogen geprägt sind. Es dominieren monoton geneigte Böschungen, die in weiten Teilbereichen als Rohbodenflächen anzusprechen sind. Als eine Ursache in der verzögerten bzw. ausbleibenden Vegetationsentwicklung dieser Uferbereiche wird die geogene Versauerung der verkippten Bodensubstrate angenommen (schwefelsaure tertiäre Deckgebirgsschichten).

Eine verzögerte Vegetationsentwicklung der Tagebauseeufer ist jedoch nachteilig, da das Röhricht wichtige Aufgaben übernimmt, die für eine ökologisch hochwertige und touristisch attraktive Seenlandschaft von Bedeutung sind: Das Röhricht ist (1) ein typischer Lebensraum entlang der Wasserflächen und stellt (2) eine bedeutsame Aufwertung des Landschaftsbildes dar. Schilf schützt (3) das Ufer gegen Erosion durch Wellenschlag und kann so (4) erosionsbedingte Säureeinträge vermeiden. Der Röhrichtgürtel kann zudem (5) zur biogenen Alkalinisierung des Wasserkörpers beitragen.

Übergeordnetes Ziel des Projektes ist es, die wissenschaftlichen Grundlagen für eine zügige Vegetationsentwicklung an den Uferböschungen der Tagebauseen in der Lausitz zu schaffen. Im Fokus der Untersuchungen steht die Entwicklung von Strategien zur nachhaltigen Etablierung von Schilfbeständen (Phragmites australis) auf schwefelsauren Substraten. Dazu sind eine Reihe von Fragen zu klären.

  1. Die Faktoren für die aktuell stark differenzierte Ausbreitung von Schilfbeständen entlang der Tagebauseeufer sind zu identifizieren. Dabei wird angenommen, dass dem pH-Wert im Substrat eine zentrale Rolle bei der Ansiedlung zukommt. Aber auch andere Faktoren, wie etwa die Verfügbarkeit von Nährstoffen wie Phosphor, sind zu prüfen.

  2. Die ermittelten Limitationsfaktoren sollen experimentell mit Hilfe von Gefäßversuchen bestätigt und durch die Verwendung von Bodenzuschlagsstoffen der Wuchshemmung entgegen gewirkt werden. Für den Einsatz in der semiaquatischen Zone sind Zuschlagsstoffe mit deutlich verringerter Löslichkeit im Vergleich zur terrestrischen Melioration zu identifizieren. Zur Bemessung dieser Zuschlagsstoffe müssen neue Ansätze formuliert werden.
    Vorteilhaft wäre die generative Vermehrung von Schilf, da dies im großflächigen Einsatz auf den z. T. nicht betretbaren Böschungen erheblich einfacher auszubringen wäre als die heute dafür verwendeten Rhizome.

  3. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen im Feldversuch an einer repräsentativen Uferböschung umgesetzt und unter Praxisbedingungen überprüft werden. Der Feldversuch eröffnet darüber hinaus die Möglichkeit, die kontrolliert angelegten Schilfbestände über einen längeren Zeitraum beobachten zu können. Somit können Aussagen zur Ausbreitungsgeschwindigkeit bzw. zur Nachhaltigkeit der Meliorationswirkung getroffen werden.

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